Rike Scheffler

Rike Scheffler

Foto: © Rike Scheffler

Rike Scheffler, geboren 1985 in Berlin, verbindet Sprache, Performance und Musik. Sie veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien, und baut mit ihren Texten gerne szenische Lied-, Text- und Klangskulpturen. Hierbei arbeitet sie mit Künstler*innen verschiedenster Genres wie dem Theater, Jazz, Pop, Film, der Oper und der Installations- und Performancekunst zusammen. Zuletzt kuratierte sie beispielsweise für Olafur Eliassons Institut für Raumexperimente die Poesieinterventionen “words that hurt” in der Neuen Nationalgalerie Berlin, und arbeitete gemeinsam mit Dichter*innen und Musiker*innen an der Performance “frome hear to here” in der Alliance française in Addis Abeba. Sie studierte Psychologie auf Diplom in Berlin und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Rike Scheffler war Finalistin beim 20. Open Mike und 19. Literarischen März, sowie 2014 Stipendiatin der Stiftung Brandenburger Tor. 2016 freut sie sich über das Alfred Döblin Stipendium der Akademie der Künste in Wewelsfelth, eine Residenz im Künstlerhaus Edenkoben, sowie den Orphil Debüt Preis für ihren Lyrikband “der rest ist resonanz” (kookbooks, 2014).

 

YOU COULD BE ANYBODY

 

narrativ :

beim strandbad, verwaiste refugien. ich stehe in der traurigen ecke,
sie umfasst zuerst die ringe um meinen bauch und dann ihren symbolischen wert.

versuchsweise senke ich meine erwartung, transaktion und verlust.
verlangsamte aufnahmen passieren den himmel, als trüge er sich
mit dem gedanken an eine krise. reingehen, mitmachen, platzen.

der strand ist voll mit menschen, sie sind bloß zu schnell, als dass man sie sieht.
kapitalmanöver, in dem wir uns lieben, bewegen wir uns in ihrem gebiet.

an rändern finde ich dein gesicht, verzeichne spuren von fremdbestimmung.
du siehst ihren abdruck, liebes. dieses lächeln, komm, das hast du geprobt.

individualität. du legst sie an, bereit zu deiner verteidigung.
ich schließe die augen, denke dich als person. könnte ich dich anfassen
und dir nicht sagen, wo das ist, was das kostet.

fünf arten von zerfall streiten sich um meine hand, und die mehrheit verweigert abstraktion.
du rufst mir ins ohr: die freiheit. die orte. die kämpfende bewegung.

 

beat:

„bücher über junge männer, bücher.“

„sie reisen, sie verlieben sich, sie wollen etwas mehr als routine und familie.“

„sie träumen von der großen liebe, dem großen roman, der großen liebe, dem großen roman.“

„liebe ist die struktur. liebe ist die eintrittskarte in unsere gesellschaft“

 

YOU COULD BE ANYBODY / MŮŽEŠ BÝT KDOKOLI

Narativ:
na pláži, vyloučená útočiště. stojím ve smutném koutě,
obejme nejdřív kruhy kolem mého břicha, pak jejich symbolickou hodnotu.

na zkoušku ponořím očekávání, transakci i ztrátu.
zpomalené snímky se táhnou oblohou, jako by se
nesl s myšlenkou na krizi. vstoupení, účast, splasknutí.

pláž je plná lidí, jsou prostě moc rychlí, k nepostřehnutí.
přesun kapitálu, v němž se milujeme, na jehož jsme území.

na okrajích nacházím tvou tvář, stopy odcizeného sebeurčení,
vidíš jejich otisk, drahý, tohle pousmání, no tak, už sis ho zkoušel.

individualita. nasadíš si ji připraven k obhajobě.
zavírám oči, vidím tě jako osobu. mohla bych se tě dotknout
a neříct ti, kde to je, co to stojí.

pět způsobů zániku se pře o mou ruku, většina odmítá abstrahovat.
zakřičíš mi do ucha: svoboda. místa. bojující pohyb.

beat:

„knihy o mladých mužích, knihy“

„cestují, zamilovávají se, chtějí víc než stereotyp a rodinu“

„sní o velké lásce, velkém románu, velké lásce, velkém románu“

„láska je struktura. láska je vstupenka do společnosti“

HONEY I’M HOME

 

beat:

magst du dein obst noch, madame?
die wünsche auf abstand erkannt.
ich ordne uns stühle, nur fürs gefühl.
ich steh hier am abwasch, und ich spül.
und es gruselt mich, wenn dein husten bricht.
und es gruselt mich, wenn du nicht isst.
und früchte halten uns trotzdem gesund.
wir leben von der faust in den mund.
selbstschutz, madame, bringt dich ins staunen.
begreif mich anders, augenbrauen,
die prüfen zweifel auf gewicht.
halt sie ruhig ins gegenlicht.
glaubst nicht groß an aufgespartes, allergien.
bist dir sehr sicher, da kann ich nicht hin.

 

narrativ:

„ich steh vor deinem fenster!“

„verschwinde!“

„Nu hör uff zu jammern, et bringt ja nüscht“     (that’s Berlin slang.. which is “„ nun hör auf zu jammern, es bringt ja nichts!“ auf „hochdeutsch“ J)

 

HONEY I`M HOME / LÁSKO, JSEM DOMA

beat:

máš ještě ráda své ovoce, paní?
na dálku rozeznaná přání.
jen pro ten pocit rovnám nám židle.
stojím u nádobí, po lokty v mýdle.
děsí mě, když tebou zacloumá kašel.
děsí mě, když se odmítáš najíst.
přesto nám plody prospívají.
žijeme z pěsti do huby.
obrana v tobě, paní, roztočí
údiv, chápej mě jinak, obočím
ověřuje se hmotnost pochybností.
drž je ve světle, prosvětlí je.
nevěříš moc úsporám, alergie.
Jsi si tak jistý, až nemůžu do místnosti.

narativ:

„stojím před tvým oknem!“

„zmiz!“

„prosimtě přestaň kňučet, je to na nic!“